"Geschichte(n) Rund um die Scillamännle"
Hofener Geschichte
Aber warum immer wieder 11?
Hofener Burgruine
Hofen am Neckar wurde 1120 zum ersten mal urkundlich erwähnt. Conradus von Wirtinsberg übergibt dem Kloster Hirsau das Gut Hofen.
Um 1250 wird die Burg neben dem damals schon bestehenden Höfen erbaut. Die "Herren von Hofen" erhalten Burg und Dorf Hofen
als Lehen. Vor 1369 stirbt der letzte männliche Nachkomme der Herren von Hofen und das Lehen fällt zurück an Wirtinsberg.
Durch Tausch mit Wirtinsberg werden die "Herren von Neuhausen"(auf den Fildern) am 11. Sept. 1369 Ortsherren. Neuhausen und Hofen
unterstanden somit nicht dem Hause Württemberg. Aufgrund dieser Eigentumsverhältnisse konnte die Reformation Württembergs in
Hofen nicht durchgeführt werden. Die Ortsherren und die Bewohner der Orte blieben dem alten Glauben treu. Hofen und Neuhausen waren einige
der wenigen Orte im Raum Stuttgart welche Katholisch blieben.
Im Jahr 1753 geht die fast 400jährige Ortsherrschaft der "Herren von Neuhausen zu Hofen" zu Ende. Ritter Josef Athanasius gibt
das was Lehen war an Württemberg zurück und verkauft seinen Besitz für 28 000 Gulden an Herzog Karl Eugen.
Die große Zeit Hofens begann im Barock. Als Eberhard Ludwig um 1700 mit dem Bau von Schloss und Dorf Ludwigsburg begann war er gezwungen
zahlreiche italienische und dann französische Künstler und Kunsthandwerker ins Land zu holen. Diese damaligen katholischen Gastarbeiter
waren im rein protestantischen Württemberg konfessionell heimatlos. Was lag näher als ins benachbarte Hofen auszuweichen. Hier in Hofen
fanden nicht nur Hochzeiten und Taufen statt, hier wurden auch zahlreiche berühmte Persönlichkeiten der damaligen Zeit beerdigt. Den
höfischen Höhepunkt erreichte Hofen in der Regierungszeit von Herzog Karl Eugen. In dieser Blütezeit war Hofen beinahe so etwas wie
die heimliche (katholische) Hauptstadt Württembergs. Noch heute erinnern Grabmale und Epitaphe auf dem Alten Friedhof rund um die St. Barbara
Kirche an diese Zeit. In der Kirche befindet sich die Statue zur "Stuttgarter Madonna". Dieses spätgotische Marienbildnis brachte
der letzte katholische Pfarrer der Stiftskirche von Stuttgart 1535 mit nach Hofen. Ihr zu Ehren finden alljährlich zahlreiche Wallfahrten statt.
Bei der Eingemeindung nach Stuttgart im Jahre 1929 zählte Hofen am Neckar ca. 1300 Einwohner. Heute ist Hofen mit mehr als 4 300 Bewohnern ein
lebendiger Stadtteil Stuttgarts mit zahlreichen Aktivitäten.
Ein Sprung in die Geschichte zeigt, dass uns uraltes Brauchtum immer wieder begegnet: Die Fasnet wurde in den Zeiten des hohen Mittelalters sehr
stark von der Kirche geprägt. Die Zahl "11" war für die damaligen Glaubensgelehrten einfach nicht fassbar und nirgends
zuzuordnen. Sie überstieg die Zahl "10" der Gebote Gottes, aber erreicht nicht die "12" der Jünger Jesu. Man wusste
nicht so recht, wo man dran war mit dieser Zahl, und steht dem heutigen Besucher eines Fasnetsumzug ein Narr gegenüber, weiss dieser auch
nicht, welcher Schabernack als nächster kommt. So überließen die mittelalterlichen Gelehrten diese Zahl den Narren, die schon
damals für allerlei Erheiterung in den tristen Burgen des Mittelalters sorgten.
Hier handelt es sich um eine Beschreibung der Hofener Burgruine aus dem Jahr 1911. Die Quelle sind "Blätter des schwäbischen
Albvereins, XXIII. Jahrgang 1911, Nr.3".